[Seitentitel]

Ḫammu-rapi
Prolog

[Datum]

Uhr

[Hauptinhalt]

Ḫammu-rapi 1728 – 1686 v.Chr.

Herrscher von Altbabylonien und König von Sumer und Akkad

Ḫammu-rapi zeichnete von 1728 und 1686 v. Chr.[1] als der sechste Herrscher im ersten, (alt-) babylonischen Reich. Dieses wurde 1830 v.Chr. zwischen den Unterläufen der Flüsse Euphrat (arab.: nahr el furat) und Tigris (arab.: nahr el dijla) in Mesopotamien vom Stamm der Amuriter gegründet und endete, von inneren Unruhen und Angriffen der anatolischen Hethiter geschwächt, 1531 v.Chr. durch das Schwert der ursprünglich im Zagros angesiedelten, sich nach Süden orientierenden Kassiten.

[1]Alle Zeitangaben gemäss kurzer Chronologie (siehe unten)

Warum ein Blog Hammurapi?

Dem vom babylonischen Herrscherkönig Hammurapi in Plutonit gemeisselte Rechtscodex obliegt eine wichtige Zäsur innerhalb jener Genese der rechtsstaatlichen Gesellschaftsordnungen, welche in den heute unter der Begrifflichkeit des 'Demokratischen Rechtsstaates westlicher Prägung' subsummierten Ordnungssystemen ein zeitweiliges Zwischenergebnis fand. Den babylonischen Relikte war es eigen bis heute dem Zahn der Zeit zu widerstehen und so stellen sie mit ihrer ausgesprochenen Beständigkeit ein geschichtsträchtiges Symbol für die Erkenntnisfindung der zwingenden Notwendigkeit gemeingültiger und dauerhafter Maximen für die Ausbildung eines über das instinktive hinaus gehenden, gesellschaftlichen Zusammenhaltes und dessen Entwicklungsmöglichkeiten. Mit der Verwurzelung und Demokratisierung dieses Konsenses hat die Relevanz der Ausgestaltung gesellschaftspolitischer Regeln und Normen an Eindeutigkeit gewonnen und Rechtssicherheit liefert heute eine wesentliche Komponente für Wohlfahrt und ökonomische Prosperität. In diesem Geiste widerfuhr dem Blog diese historische Namensgebung. Seine thematischen Eckpunkte bilden einerseits die heutigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Schweiz im schnelllebigen nationalen sowie globalen Diskurs wie auch rechtsstaatliche Grundsatzfragen zur direkten Demokratie im Spannungsfeld der gegenwartsnahen globalen Wandlungsprozesse und der ochlokratischen Fährnisse in einer von Tagesaktualitäten geprägten Mediengesellschaft.

Die Person und sein Reich

Hammurapi wurde im Jahr 1728 v. Chr. in Babylon geboren. Über seine Kindheitsjahre ist kaum etwas bekannt. In der Linie der ersten Herrscherdynastie von Babylon, bestieg er 1712 v. Chr. mit 16 Jahren als sechster König den Thron. Hammurapi beanspruchte ebenfalls den Titel 'König von Sumer und Akkad'. Während seiner Herrschaft geriet einen Großteil Mesopotamiens unter seine Kontrolle und Babylon erlebte eine Blütezeit. Die kriegerischen Erfolge erlaubten Hammurapi im Innern eine Reihe wichtiger Reformen durchzuführen. So ersetzte er auf theokratischer Ebene den vormaligen sumerischen Sonnengott mit dem Stadtgott Marduk von Babylon und entwarf oder präzisierte eine noch heute erhaltene Sammlung von Rechtstexten, den Codex Hammurapi (siehe weiter unten). In seinen letzten Regierungsjahren führte Hammurapi verschiedene Kriege gegen die Assyrer und eroberte die wichtigen assyrischen Städte Assur und Ninive. Das Herrschaftsgebiet Hammurapis erstreckte sich somit vom Persischen Golf und dem Zagros-Gebirge bis nach Mittelirak (Euphratbogen bei Najaf). Dem Reich war aber kein sonderlich langes Bestehen vergönnt. Bereits in der Regierungszeit seines Sohnes Šamšu-iluna kam es zu Aufständen im südlichen Mesopotamien. An der nördlichen Grenze drangen die Kassiten aus dem Zagros vor. Die westliche Grenze bedrohten die Hethiter, die jedoch Babylon durch Mursili I. nur kurzzeitig einnehmen konnten. So waren es letztendlich die Kassiten die der altbabylonischen Epoche ein Ende setzten. Hammurapi selber starb im Jahr 1686 v. Chr. Mit 42 Jahren oblag ihm die längste Regierungsperiode unter den insgesamt elf Herrschern im Altbabylonischen Reich.

Der Name

Die bekanntere Schreibweise des Namens 'Hammurabi' entstammt einer fraglichen, zweisprachlichen amuritisch-akkadischen Transkription. Weniger widersprüchlich ist die einsprachige, amuritische Namenstranskription ‚ hammum-rapium‘, welche mit Hammurapi wiedergeben und wörtlich als ‚Vaterbruder, der heilt‘ transkribiert wird. Der Begriff Vaterbruder lässt sich streng genealogisch als 'Onkel' aber auch in religiösem Sinne als Andeutung einer Verbindung zu einer Gottfigur (Übervater) interpretieren. Ebenso kann der in der altbabylonischen Dynastie einzigartig auftretende, attributive Zusatz 'der heilt' auf tatsächliche oder beanspruchte Eigenschaften respektive Ereignisse im Leben Hammurapis hindeuten oder als Hinweis auf eine - möglicherweise auf erzwungene - verklärende metaphysische Aussenwahrnehmung Hammurapis interpretiert werden.

Der Codex Hammurapi

Die hervorgehobene Stellung Hammurapis in unserem historischen Bewusstsein basiert auf dem 'Codex Ḫammurapi'. Ein Keilschrifttext, der auf mehreren Tontafeln, basaltischen Stelenbruchstücken und einer nahezu komplett erhaltenen, aus magmatischen Intrusiva bestehenden Stele überliefert ist. Sie wurden von französischen Archäologen (Gustav Jéquier, Jean-Jaques de Morgan) bei Ausgrabungen im Bereich der Akropolis von Susa (Provinz Khuzestan, IR), wohin die Stele im Zusammenhang mit Feldzügen der Elamer (Sutruk- Nahunte) wurde, entdeckt. Die Stele und die Bruchstücke sind heute im Louvre, die Tontafeln verteilt, in verschiedenen Museen ausgestellt. Der heute vollständig transkribierte Text umfasst etwa 8000 Wörter und gliedert sich in einen Prolog, 282 Rechtssätze und einen Epilog. Die Rechtssätze äussern sich zu Staatsrecht, Straf- und Schuldrecht, Liegenschafts- und Mietrecht, Erb- und Eherecht, Mietrecht und zu Viehzucht wie auch zu Belangen des Umganges mit Sklaven. Im Epilog wird versucht, die Rechtsordnung zu verbriefen und für die nachfolgenden Herrscher als verbindlich zu erklären. In Form von Abschriften wurde der Text auf verschiedene altbabylonische Ansiedlungen verteilt. Selbstredend für das hohe Alter der Funde und die mangelnden Überlieferungen aus jener Zeit, erlauben die Rechtstexte einen breiten Interpretationsspielraum. Es wurden und werden sowohl juristische, linguistische wie auch kulturelle und theologische Hintergründe diskutiert. Der vorherrschende Geist zur Zeit der Modernisierung der europäischen Rechtslehre zur vormaligen Jahrhundertwende, welche mit den Ausgrabungsfunden koinzidierte, führte zu juristischen Überinterpretationen, wie zum Beispiel jener zum 'Ältesten Gesetz der Menschheit', welche aus wissenschaftlicher Sicht jedoch nicht haltbar sind (siehe Epilog). Ebenfalls spekulativ sind alttestamentarische Beziehungssetzungen, aufgrund der Illustrationen auf der Stele, die an Abbildungen von göttlichen Gesetzesübergaben erinnern (siehe Bild oben links).

Die Bedeutung

Unbestritten ist, dass die Stele und der damit verbundene Codex Hammurapi in die Zeit der altertümlichen Stadtgründungen Mesopotamiens, Ägyptens sowie der Indus- und mykenischen Kulturen fallen und den einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesse ein mögliches Schriftzeugnis beistellt. Die Fruchtbarkeit rückte Mesopotamien seit der vor 12'000 Jahren beginnenden Frühzeit ins Zentrum des Interesses verschiedenster, sippenartig zusammengesetzter Menschengruppen. Die daraus entstehenden Interessenskonflikte begünstigten die kreative Entwicklung von möglichen Organisationsformen im Bereich des Zusammenlebens sowie von an Nachhaltigkeit orientierten Schutzmechanismen und lassen damit in dieser Region eine verstärkte anthropologischen Evolution gesellschaftlichen Denkens vermuten.

Die Frage der Chronologie

Die Abfolgen und Regierungszeiten der Könige im altbabylonischen Reich sind vergleichsweise gut dokumentiert. Die Überführung in die absolute Chronologie gestaltet sich aber schwierig. Anhand der Venustafeln des Ammi-saduqa (1582 - 1562 v. Chr.) wurden vier Zeitpunkte für die absolute Chronologie festgelegt. Daraus resultieren vier Zeitbereiche, welche bei Zeitangaben Verwendung finden. In der jüngsten Zeit wird oft die kurze Chronologie verwendet, wenn sich auch Unterschiede zur bisher verwendeten mittleren Chronologie (Differenz: 64 Jahre) ergeben.

[Tabelle:]

Chronologien Altbabylonisches Reich
Zeitereignis Lang Mittel Kurz Ultrakurz
Altbabylonisches Reich 1950–1651 v. Chr. 1894–1595 v. Chr. 1830–1531 v. Chr. 1798–1499 v. Chr.
Regierungszeit Hammurapi 1848–1806 v. Chr. 1792–1750 v. Chr. 1728–1686 v. Chr. 1696–1654 v. Chr.
Niedergang AltBabyl. Reich 1651 v. Chr. 1595 v. Chr. 1531 v. Chr. 1499 v. Chr.

[Ende Tabelle!]

[Nebeninhalt]

[Zitat]

Anu und Bel riefen mich beim Namen, Hammurapi, der erhabene König, der Gott fürchtet, um die Herrschaft der Gerechtigkeit herbei zu führen, die Bösen und Ungerechten zu zerstören, damit die Starken den Schwachen kein mehr Leid antun.

(Ḫammu-rapi)

[Bilder]

Hammurapi

Bild 1: Hammurapi
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Im Bild zeigt die steinerne Büste eines streng blickenden Hammurapi mit semitischer Kopfbedeckung und dichter, zopfförmig geflochtener und geknoteter Barttracht.

Mesopotamien

Bild 2: Mesopotamien
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Bild zwei zeigt eine Landkarte von Mesopotamien. Das Zweistromland liegt zwischen Euphrat und Tigris und reicht vom Osttürkischen Diyarbakir bis nach dem südirakischen Basra am persischen Golf.

Entwicklung Flussläufe

Bild 3: Altbabylonisches Reich
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Im Bild drei ist die Ausdehung des altbabylonischen Reiches zur Regierungszeit Hammurapis skizziert. Das altbabylonische Reich mit seinem im Südirak, nahe am Euphrat liegenden Hauptort Babylon grenzt im Süden an das um Basra am persischen Golf liegende Reich Sumer und dehnt sich nach nordenwesten entlang der beiden Arme der Flüsse Tigris und Auphrat aus.

Stele gross

Bild 4: Basaltstele Louvre Paris
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Bild vier zeigt die in Susa (Iran) ausgegrabene Stele. In die rundliche und phallusförmige, 2.25 Meter hohe Säule aus dunklem, hartem Doritgestein ist im unteren Teil der Codex eingemeisselt. Der obere Abschluss zeigt ein steingehauenes Bild der Übergabe der Herrscherinsignien vom Sonnengott Schamasch an Hammurapi (Eine Detailabbildung folgt im nächsten Bild).

Stele Abbildung

Bild 5: Abbildung auf der Stele
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Bild fünf zeigt die auf dem oberen Teil der Stele in den Stein gehauene Abbildung. Hammurapi steht vor dem thronenden Sonnengott Schamusch und nimmt die Herrscherinsignien entgegen. Die Göttlichkeit Schamuschs ist durch strahlende Schultern symbolisiert.

Tontafeln

Bild 6: Tontafeln mit Prolog
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In Bild sechs sind zwei tönerne Steintafeln abgebildet, welche den Prolog zum Codez in altbabylonische Keilschriftzeichen zeigen.

Venustafeln

Bild 7: Venustafeln Ammi-saduqa
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Das letzte Bild sieben zeigt ebenfalls eine tönerne Steintafel. Sie enthält eine astronomische Beschreibung des Venuszyklus, welche Ammi-saduqa in Auftrag gab. Anhand dieser lässt sich die Chronologie innerhalb des altbabylonischen Reiches genau bestimmen.